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  1. Goethe über Johann Christian Günther
  2. Als er endlich sich wagte, ihr seine Liebe zu entdecken
  3. Sonett
  4. An seine Schöne
  5. An Magdalis Als er sie auf einige Zeit entbehren sollte.
  6. Als er sich seiner Abwesenden erinnerte
  7. An Leonoren
  8. Vor dem Abschied
  9. Als er sie seiner beständigen Treue versicherte
  10. An die Freundin der Geliebten
  11. Abschied
  12. An Magdalis
  13. Als er ihrentwegen viel leiden mußte, doch dabei nicht verzagte
  14. An seine Magdalis Aria.
  15. An seine Leonore
  16. Als er seiner Magdalis nichts zum grünen Donnerstag geben konnte
  17. An Leonoren
  18. Aus einem Schreiben an seine Magdalis
  19. Aus einem Schäfergedicht Er erinnert sich voriger Zeiten.
  20. Aus den »letzten Gedanken« In schwerer Krankheit
  21. An Selinde, die Leipziger Leonore
  22. Als er gegen seine Schöne sich etwas zu frei aufgeführet hatte
  23. Als er sie wieder zu besänftigen suchte
  24. Als sie sich endlich zum Lieben bewegen ließ
  25. An die Leipziger Leonore
  26. An die ungetreue Leonore
  27. Als sie ihm untreu wurde
  28. Die verworfene Liebe
  29. An die Schweidnitzer Leonore
  30. Auf der Abreise von Dresden in sein geliebtes Schlesien
  31. Rückkehr nach Schweidnitz, wo Leonore nicht mehr wohnt
  32. An sein Lenchen
  33. Schwur der Treue An Leonore
  34. Gedenken An Leonore
  35. Die immer grünende Hoffnung An Leonore
  36. An Leonoren bei dem andern Abschiede
  37. Als er sie nach 4 Jahren wieder das erstemal empfing An Leonore
  38. Schreiben an seine Leonore
  39. Als sie zur Hochzeit ihres Bruders reiste An Leonoren
  40. An seine Leonore
  41. An Eleonore
  42. Scheiden
  43. Aria An Leonoren
  44. Trennungslied An seine Leonore
  45. Er gibt Leonoren ihr Wort zurück
  46. Leonorens Antwort
  47. Die unwiederbringliche Zeit
  48. Bei der letzten Trennung An Leonore
  49. Die verliebte Geduld. Kantate
  50. An Leonore bei Absterben ihres Karl Wilhelms
  51. Nachwort des Herausgebers
  52. Inhaltsverzeichnis
  53. Alphabetisches Verzeichnis der Liederanfänge
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Leonorenlieder

Johann Christian Günther

kostenlos · 16.925 Wörter · Hörbuch (2 Std. 34 Min.), gelesen von Freiwilligen für LibriVox

Text von Project Gutenberg

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(von vorn beginnen)

Herausgegeben von Conrad Höfer


Im Insel-Verlag
zu Leipzig

Goethe
über
Johann Christian Günther

Betrachtet man genau, was der deutschen Poesie fehlte, so war es ein Gehalt und zwar ein rationeller; an talenten war niemals Mangel. Hier gedenken wir nur Günthers, der ein Poet im vollen Sinne des Worts genannt werden darf. Ein entschiedenes Talent, begabt mit Sinnlichkeit, einbildungskraft, Gedächtnis, Gabe des Fassens und vergegenwärtigens, fruchtbar im höchsten Grade, rhythmisch bequem, geistreich, witzig und dabei vielfach unterrichtet; genug, er besaß alles, was dazu gehört, im Leben ein zweites leben durch Poesie hervorzubringen, und zwar in dem gemeinen, wirklichen Leben. Wir bewundern seine große Tüchtigkeit, in gelegenheitsgedichten alle Zustände durchs Gefühl zu erhöhen und mit passenden Gesinnungen, Bildern, historischen und fabelhaften Überlieferungen zu schmücken. Das rohe und Wilde daran gehört seiner Zeit, seiner Lebensweise und besonders seinem Charakter oder, wenn man will, seiner charakterlosigkeit. Er wußte sich nicht zu zähmen, und so zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten.

 

Euch, Musen, dankt mein treu Gemüte,
Wofern ich etwas gelt' und bin:
Der Lorbeer eurer reichen Güte
Grünt jetzt schon auf die Nachwelt hin.
Ihr habt mich von Geburt umfangen,
Gesäugt, geführt, geschützt, ernährt
Und, wenn mir Freund und Trost entgangen,
Dem Herzen allen Gram verwehrt.

Nun mögen andre meinesgleichen
Aus Ehrgeiz mit nach Ungarn gehn
Und bei des Adlers Siegeszeichen
Geschlecht und Stand und Glück erhöhn;
Ich schmeichle keiner großen Zofe,
Ich bete keinen Götzen an,
Der irgend Leute von dem Hofe
Nach Willkür ziehn und werfen kann.

Ein Lager an den grünen Flüssen
Ergötzt mich in gelehrter Ruh',
Hier kann ich alle Not versüßen,
Hier richtet niemand, was ich tu'.
Hier spiel ich zwischen Luft und Bäumen,
Sooft die Sonne kommt und weicht,
Und ehre die in meinen Reimen,
Der nichts an Treu und Schönheit gleicht.

Sprecht mehr, ihr hochmutsvollen Spötter,
Ich hielte nichts von Lob und Ruhm:
Mein Name dringt durch Sturm und Wetter
Der Ewigkeit ins Heiligtum.
Ihr mögt mich rühmen oder tadeln,
Es gilt mir beides einerlei:
Wen wahre Lieb' und Weisheit adeln,
Der ist allein vom Sterben frei.

Als er endlich sich wagte, ihr seine Liebe zu entdecken

Flammen in der Brust empfinden
Und dabei nicht Feuer schrein,
Heißt die Ruten größer binden
Und sein eigner Henker sein.
Die Verhehlung der Gedanken
Labet keinen dürren Mund,
Und die Scham verliebter Kranken
Macht das Herze spät gesund.

Drum wohlan, mein Geist, entdecke
Dies, was deine Sehnsucht quält,
Frisch gewagt, kommt bald zum Zwecke,
Den die Furchtsamkeit verfehlt.
Nein, mein Herz, ach schweig und glaube,
Dein Entdecken hilft dich nicht,
Weil bereits die schöne Taube
Einem andern sich verspricht.

Schweig, mein Herz, und halt die Plagen
Deiner Leidenschaft geheim,
Lerne dein Verhängnis tragen,
Koch' aus Wermut Honigseim!
Hat die Schickung deinem Fieber
Diesen schönen Arzt versagt,
Ei, so stirb doch zehnmal lieber,
Eh' dein Mund die Kühnheit wagt.

Doch getrost, mein Herz, und wage
Noch den allerletzten Streich!
Doch getrost! Versuch' und schlage
Felsen durch die Tränen weich.
Kluge Schönheit! meine Funken
Überreicht dir dieses Blatt,
Das mehr nasses Salz getrunken,
Als dein Mund jetzt Zucker hat.

Zürne nicht mit meiner Liebe,
Die die Redlichkeit gebar,
Stärke bald die reinen Triebe,
Der Verzug bringt hier Gefahr.
Dein Befehl soll stets mein Wille
Und dein Wink mein Leitstern sein,
Schenke mir nur in der Stille
Deiner Liebe Vorschmack ein.

Mein Geblüte fühlt den Zunder,
Der von deiner Tugend fängt,
Also nimmt es mich nicht wunder,
Wenn mein Geist an deinem hängt.
Merke nur des Himmels Schlüsse,
Sonst erfährst du von der Reu,
Daß das Honig fremder Küsse
Um das Ende bitter sei.

Ach, erwäge mein Begehren!
Dein Verstand ist scharf genug,
Laß mich nicht die Glut verzehren,
Sonst wird dich der Totenkrug
Meiner Asche noch verklagen
Und mein kalter Leichenstein
Dir so viel zur Nachricht sagen:
Lerne doch bedachtsam sein!

Sonett

Das Glücke muß fürwahr mich als sein Schoßkind lieben
Und das Verhängnis mich zu quälen müde sein,
Weil du, getreues Kind, mir nach so mancher Pein
Dein unverfälschtes Herz zum Eigentum verschrieben.

Mein Schiff, das Wind und Meer an manchen Fels getrieben,
Lauft den Vergnügungsport mit vollen Segeln ein,
Und meine Hoffnung kann sich schon im Geiste freu'n,
Nachdem dein freies Ja den Zweifel aufgerieben.

Versiegle nun den Bund durch einen feuchten Kuß,
Bis dich des Priesters Hand mir völlig überreiche,
Und glaube, daß mich selbst der Himmel strafen muß,

Wofern mein Wankelmut dein Bild in mir verstreiche.
Drum liebe nur getrost; denn die Beständigkeit
Wirkt mir den Hochzeitrock und auch das Leichenkleid.

An seine Schöne

So wenig eine junge Rebe
Des Ulmbaums Hilfe missen kann,
So wenig ficht der Neid mich an,
Daß meine Brust dir Abschied gebe:
Mein treues Herz ist ein Magnet,
Der nur nach einem Pole steht,
Dein Nordstern leitet meine Liebe,
Ich leb' und sterbe dir getreu,
Wenn gleich der Schickung Tyrannei
Mich heute noch ins Elend triebe.

Eröffne mir das Feld der Brüste,
Entschleuß die wollustschwangre Schoß,
Gib mir die schönen Lenden bloß,
Bis sich des Monden Neid entrüste.
Die Nacht ist unsrer Lust bequem,
Die Sterne schimmern angenehm
Und buhlen uns nur zum Exempel;
Drum gib mir der Verliebten Kost,
Ich schenke dir der Wollust Most
Zum Opfer in der Keuschheit Tempel.

Die Zeit kommt nimmermehr zurücke,
Wenn sie schon einmal sich verkreucht,
Und die Gelegenheit entweicht
In einem kurzen Augenblicke.
Wer weiß, wer dich in einer Frist
Von vierundzwanzig Wochen küßt?
Wie bald kann mich ein Stahl entleiben,
Dann wird dein angenehmer Mund,
Der meiner Sehnsucht offen stund,
Mit andern sich die Zeit vertreiben.

Jedoch soll mich der Tod entreißen,
Du aber meine Leiche sehn,
So soll mir doch der Wunsch geschehn,
Dir in der Gruft getreu zu heißen;
Mein Blut soll dir beständig sein,
Und meines Körpers Leichenstein
Wird diese Grabschrift nie verlieren:
Hier schläft, mein Kind, dein ander Ich,
Dem wenig, glaub' es sicherlich,
Den Preis der Redlichkeit entführen.

An Magdalis
Als er sie auf einige Zeit entbehren sollte.

Zwei Tage soll ich dich und deinen Umgang meiden,
Du treue Magdalis, das geht mir bitter ein;
Bringt mir die kurze Zeit so ungemeines Leiden,
Wie groß, bedenk es doch, wird nicht mein Schmerzen sein,
Wenn ich das Vaterland mit einer fremden Erde
Auf soviel Jahre bald einmal vertauschen werde?
Doch willt du deine Gunst mir zur Gefährtin schenken,
Und würdigt deine Huld mich der Beständigkeit,
So glaube, daß der Trost von deinem Angedenken
Den schärfsten Wermut mir mit Zucker überstreut.
Und gönne meiner Brust, daß sie dein Herz behalte,
Bis mein entseelter Leib einst in der Gruft erkalte.

Als er sich seiner Abwesenden erinnerte

Küßt, ihr Seufzer, mein Vergnügen!
Denn bei euch muß es beruhn,
Bis es wird das Schicksal fügen,
Daß es meine Lippen tun
Und zwei Seelen durch ihr Drücken
Regungsvoll zusammen schicken.

Stelle dein verhaßtes Klagen,
Das du so gar kühn getan,
(Wirst du, andre Seele, sagen)
Bei mir künftig klüger an,
Wo ich dir nicht soll beizeiten
Deinen Abschied zubereiten.

O, es sind des Himmels Triebe!
Und von oben ist's geschehn,
Daß ich dich, du Bild der Liebe,
Mir zum Abgott ausersehn,
Weil ich so gar seltnes Wesen
Kann aus deinen Augen lesen.

Deine engelholden Blicke,
Die bis in die Seele gehn,
Sind so feste Zauberstricke,
Daß du selber mußt gestehn:
Wenn ich diesen könnt' entreißen,
Müßt' ich billig Simson heißen.

Aber so die reinen Flammen,
Welche meine Brust empfind't
Und aus deinen Augen stammen,
Dir von mir beschwerlich sind,
O, so werd ich stets mit Wissen
Dir beschwerlich fallen müssen.

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—

danke fürs Lesen

Leonorenlieder von Johann Christian Günther. Der Text ist in den USA gemeinfrei, digitalisiert von den Freiwilligen von Project Gutenberg. Wir liefern ihn aus unserer eigenen Kopie aus.

Gesprochen von Julia Niedermaier, Kalynda, Crln Yldz Ksr, softsnow, Ralf und Leanne Yau für LibriVox, ebenfalls gemeinfrei.

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